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Wir stehen gerade am Ende eines Weges, der uns Wirtschaftswachstum, Fortschritt und Wohlstand gebracht hat. Die Folgen sind, CO2 in der Atmosphäre, Mikroplastik im Meer und Chemie in den Lebensmitteln. Zudem sind wir zu einer Wegwerfgesellschaft geworden. Die globalen Konsequenzen unserer derzeitigen Wirtschaftsordnung sind inzwischen sichtbar und irreversibel. Wie geht es weiter? Könnte uns ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum gelingen? Wie könnte ein Leben jenseits von Konsum, Kapitalvermehrung und Profitmaximierung aussehen? Eines steht fest: Wir müssen die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts mit mutigen Konzepten der Zukunft lösen, indem wir uns in einem Dreieck Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung bewegen. Dafür lohnt sich ein Blick in die Geschichte, denn über Jahrhunderte prägte doch ressourcenschonendes, nachhaltiges und gemeinnütziges Denken das menschliche Handeln.

Ein Rückblick in die Geschichte!

„Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh, mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.“ So lautet eine Textzeile des Kirchen-Liedes von Georg Turmair aus dem Jahr 1935. Es ist ein Gedanke, der die Natur als Grundlage/Nährboden für menschliches, begrenztes Leben auf Erden auffasst. Der Mensch also zu Gast bei Mutter Natur? Zumindest im Mittelalter gab es kaum eine Alternative zu dieser Form des Wirtschaftens. Dazu gehörten die Kreislaufwirtschaft, in der das Teilen und Kooperieren – praktiziert in Klöstern (heute modern als Sharing Economy bezeichnet), das Wiederverwerten (heute Recycling) und oft ein minimalistisches Lebensprinzip vorherrschten. Spenden für große Projekte waren essentiell. Und für die soziale Verantwortung gab es ein ausgeprägtes Mäzenatentum.

Im 18 Jahrhundert wurde der Begriff Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft zum Grundgesetz. Es sollten aufgrund von Knappheit, nur so viele Bäume gefällt werden, wie nachwachsen können, damit der Wald für die künftige Nutzung zur Verfügung steht. Das „nachhaltige Wirtschaften“ bzw. der sorgsame Umgang mit der Natur ist bereits in der Bibel niedergeschrieben: Dem Gebot, der Mensch sollte die Erde bebauen und bewahren (Genesis 2, 15). Das Wort „Nachhalt“ bedeutet auch, etwas für schlechte Zeiten zurückzulegen oder von den Zinsen zu leben, statt vom Kapital.

Die Moderne, in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, bescherte einen Wirtschaftsboom mit einem rasanten Anstieg des Konsums und der Entwicklung hin zu einer „Wegwerfgesellschaft“.  Das führte im 21. Jahrhundert zu einer geringeren Recyclingquote, Verfügbarkeit von Waren rund um den Globus mit Hilfe von „click and buy“ und just in time Lieferung. Die Folgen sind unübersehbar: das Vermüllen des Planeten, die Abhängigkeit von Ländern mit Rohstoffvorkommen, die sinkenden Lohnkosten und der hohe Ölverbrauch, weil Öl billig gehandelt wurde. Technik und Wirtschaft waren die Motoren des Aufstiegs und die der klassenlosen Bedürfnisbefriedigung. Über die Produktion kurzlebiger Güter wurde der Konsum immer wieder angeheizt und auch neue Wünsche geweckt. Die Bedarfsdeckung aller wich der schnellen Bedürfnisbefriedigung bei den einen und dem Anstieg von Wohlstand bzw. Kapital bei den anderen. Das World Wide Web förderte die Preise für günstigen Konsum und machte auch das Fliegen zum Taxi-Tarif möglich.

Doch alles hat seinen Preis: Und so gewinnt in den vergangenen Jahren nun die Natur ihre Macht zurück und schickt uns die Rechnung für die Ausbeutung von Mensch und Natur in vielen Teilen der Erde. Naturkatastrophen, Hungersnot, schlechte Arbeitsbedingungen, miserable Behandlung von Mensch und Tier, umgekippte Seen, Schadstoffe in Lebensmitteln und steigende Preise sind die Folgen. Trotzdem wollen wir unseren Wohlstand bewahren. Doch kann das gelingen, wenn wir auf Wachstum verzichten?

Gesundes Wachstum versus Stagnation

Fakt ist, es wird sich was ändern müssen! Denn Ressourcenverschwendung, Verteilungskämpfe, Konsum, der nicht nach den Bedürfnissen ausgerichtet ist, Kriege und Unterdrückung führen nicht zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Wir sind gezwungen, unsere Wirtschafts- und Lebensweise den veränderten Bedingungen anzupassen – zumindest, wenn wir auch in Zukunft ein Leben in Frieden mit Presse- und Meinungsfreiheit führen wollen.Dafür ist es notwendig, dass wir unser Wachstum durch ökologisches Wirtschaften generieren, starke soziale Beziehungen pflegen, international Hand in Hand verantwortlich handeln, Investitionen in klimafreundliches Handeln ermöglichen und so einen „kollektiven Wohlstand“ schaffen.

Kommt aber nicht ein gesundes Wachstum automatisch? Indem durch Arbeitsteilung, CO2-Bepreisung, weltweite Vernetzung bzw. Austausch, den Einsatz von Technologien, einen höheren Bildungsgrad für mehr Effizienz und Ressourcenschonung gesorgt wird, kann dies gelingen: In der Dominikanischen Republik ist ein solcher Wandel derzeit erkennbar. Hier gibt es nun eine bessere Infrastruktur, faire Preise, eine gerechte Besteuerung, günstige regionale Produkte, dafür teure importierte Waren und einen Tourismus, der im Einklang mit Bewohnern und Natur steht.

Eine Stagnation kann dagegen eine Abwärtsspirale in Gang setzen, aus weniger Umsatz für die Unternehmen, weniger Einkommen, Konsumverzicht und eine hohe Sparquote wie z.B. in Japan resultiert dann, dass die Menschen in nachhaltigen Ressourcenumgang bzw. technischen Fortschritt zu wenig investieren.

Für die Unternehmen braucht es also Wachstum, aber auch eine Verantwortung für ganzheitliche und zukunftsorientierte Unternehmenssteuerung. Sie selbst werden dazu gezwungen, aufgrund der Ressourcenknappheit, steigender Energiekosten, der Forderungen der Stakeholder nach Transparenz und Lösungen. Die Herausforderung besteht nun darin, neue Geschäftsmodelle für die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, langlebige Produkte und bessere Arbeitsbedingungen für alle generieren zu können. Aber erst mit der Entwicklung von Nachhaltigkeits-Standards z.B. in die Analyse der Finanzen wird es gelingen, die tatsächlichen ökologischen und sozialen Kosten sichtbar zu machen.

Nachhaltigkeit für Konsumenten, Unternehmen und Gesetzgeber

Druck kommt dabei inzwischen von beiden Seiten. Stakeholder und die Gesellschaft wünschen sich von den Unternehmen zunehmend, dass sie Transparenz schaffen und Verantwortung übernehmen bei ihrer Produktion – inklusive Arbeitsbedingungen, Ressourcenverbrauch, Umweltverträglichkeit und Lieferketten.

Wenn bald die Umweltschäden und der CO2-Ausstoß deutlich höher bepreist werden, wird es für umweltschädliche Produktionen zunehmend unrentabel. Der Konsument entscheidet dann mit seiner Nachfrage, in welche Richtung sich der Markt entwickelt. Und er wird nicht bereit sein, höhere Preise für „Billig- oder Wegwerfprodukte“ zu bezahlen, wenn Transportkosten oder CO2-Abgaben auf die Produkte aufgeschlagen werden.

Bei den Unternehmen sind viele Ansätze für eine ganzheitliche und zukunftsorientierte Unternehmenssteuerung bereits sichtbar, vor allem dann, wenn die Unternehmen sich bereits dem internationalen Handel geöffnet haben.

Die Gewinner von morgen werden umweltverträgliche Unternehmen sein, die Ressourcen effizient einsetzen und einen hohen Nutzen für die Konsumenten bieten. Statt auf kurzfristige Bedürfnisbefriedigung zu setzen, werden langlebige Konsumgüter gefragt sein, neue Geschäftsmodelle im Recycling entstehen und neue Berufe in dem Bereich hervorbringen – wie eine Smartphone-Ambulanz oder Repair-Cafés.

Die Verantwortung liegt aber auch bei den Wagniskapitalgebern. Nur wenn sie Start-ups bzw. Gründer unterstützen, die sich nachweislich für die Umwelt, den Klimaschutz und einen geringen Ressourcenverbrauch einsetzen, nur dann entstehen tatsächlich neue Unternehmenszweige.

Open Innovation könnte für Unternehmen eine Form des Miteinander-Wirtschaftens werden. Durch die Öffnung der Unternehmen nach außen lässt sich durch Partnerschaften der Entwicklungszeitraum eines Produktes über Arbeitsteilung verkürzen und auf neue Technologien und Marktanforderungen schneller und flexibler reagieren.

Microsoft Gründer Bill Gates prophezeite vor einiger Zeit Green-Tech-Firmen, die nachhaltige, skalierbare Geschäftsmodelle auf den Markt bringen, dass deren Rendite mit der von Tesla vergleichbar seien.

International könnte zudem mehr Freihandel die Handelsbeziehungen diversifizieren und Abhängigkeiten mit einzelnen Ländern verringern. Kleine Länder haben so die Chance als Partner am Welthandel zu partizipieren (Stichpunkte: BRICS, EVFTA).

Die EU-Kommission und auch die Deutsche Bundesregierung haben erkannt, dass freiwillige Kodizes eher eine Kutsche in Bewegung setzen als einen notwendigen Schnellzug. Und so hat die EU-Kommission das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verabschiedet, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in den Lieferketten Einhalt zu gebieten

Freiwilligkeit versus Regelung

Das LkSG tritt ab Januar 2023 in Kraft und gilt zunächst für Unternehmen ab 3000 Mitarbeiter/innen, ab 2024 dann für Unternehmen ab 1000 Mitarbeiter/innen. Das Gesetz verpflichtet die Unternehmen, ihrer Verantwortung in der Lieferkette in Bezug auf internationale Menschenrechte und Umweltstandards einzuhalten. Das Gesetz bezieht sich auf die UN- Leitprinzipien (UNLP- internat. anerkannte Standards der Unternehmensverantwortung). Freiwillig hat die Einhaltung Corporate Social Responsibility viele Jahre nicht funktioniert. Deshalb nun verbindliche Vorgaben für Unternehmen verbunden mit präventiver Wirkung, indem Unternehmen vorsorgende Maßnahmen treffen müssen. Verstöße dagegen können seitens der Behörden mit Bußgeldern belegt werden.

Handelt es sich hierbei nun um eine bürokratische Gesetzesnovelle oder bietet das neue Gesetz sinnvolle, wirksame Handlungsansätze?

GERMANWATCH hat sich die Novelle genau angesehen und es als ein Schritt in die Richtung beurteilt, damit Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette nachkommen. Aber es sei auch ein politischer Kompromiss. Es fehle zudem eine zivilrechtliche Haftungsregel und die Sorgfaltspflicht gelte nur vollumfänglich für mittelbare Zulieferer, es berücksichtige Umweltaspekte nur marginal und enthielte keine Generalklausel, die auch Biodiversität bzw. Klimaauswirkungen berücksichtige.

Allerdings können sich die Verbraucher über Verstöße aber auch vorbildliches Verhalten hinsichtlich der Arbeitsschutzmaßnahmen von Unternehmen oder ganzen Wirtschaftsregionen informieren – sie werden in einer Art Black- und Whitelists dokumentiert bzw. gekennzeichnet.  Dies erleichtert potenziellen Partnern am anderen Ende der Lieferkette auch die Planung. Dazu lässt sich gesellschaftlicher bzw. ökonomischer Druck auf die „schwarzen Schafe“ aufbauen, ihre Missstände zu beseitigen – also auf Märkte und Marktteilnehmer, die aufgrund ihrer „Black Flag“ sonst an Attraktivität verlieren. Und wer weiß: Vielleicht lässt sich auf diese Weise sogar die zuletzt in Verruf geratene Vorstellung vom „Wandel durch Handel“ rehabilitieren.

Mitbestimmung und Mitgestaltung in einer vernetzten Welt

Das World Wide Web hat alles verändert: Die Welt ist näher zusammengerückt, sowohl im Positiven als auch im negativen Sinne. Die Entwicklungsgeschwindigkeit hat enorm an Fahrt aufgenommen, Informationen wandern in Echtzeit um den Globus und internationale Anstrengungen gegen Umweltzerstörung und Klimawandel werden notwendig. Wie wichtig dies ist, lehrte uns die Bekämpfung der Pandemie im positiven Sinne und der Kampf um die Verteilung neuer Rohstoffvorkommen im negativen Sinne.

Der Kapitalismus bleibt dabei immer noch eine alternativlose Wirtschaftsform. Er braucht dazu aber nicht notwendigerweise Eigentum, sondern erfüllt Konsumbedürfnisse z.B. durch Teilhabe, neudeutsch Share Economy: mieten, leasen, pachten, abonnieren usw. Dabei wird Eigentum durch temporären Besitz und Zugang zu Produkten, Unterhaltung, Wohnen, Netzwerken, Bildung abgelöst.

Das Streben nach Gewinnmaximierung gelingt meistens nur Einzelnen und selten einer Gemeinschaft. Aber deren negative Folgen tragen alle – ohne davon zu partizipieren.

Vielleicht gelingt es den nachfolgenden Generationen eine Vorstellung von unserer Zukunft zu entwickeln. Ein gutes Beispiel dafür ist die Initiative Community Klima e.V.: Sie unterstützen Nachhaltigkeitsbildung an Schulen bzw. initiieren konkrete Projekte zur Emissionsreduktion und veranstalten in jedem Jahr eine große Klimakonferenz. Unterstützt werden sie von Senior-Experten. Die Jungen führen Regie und die Alten bringen Wissen und Erfahrung aus dem täglichen Leben mit ein.

Auch der demographische Wandel kann bei uns für Veränderung sorgen. Indem die Einwohnerzahl sinkt, werden sich Wohnfläche und Ressourcenverbrauch reduzieren.

In anderen Ländern wächst dagegen die Bevölkerung. Und mit ihr das Streben nach Wohlstand. Es ist wünschenswert, dass es diesen Ländern mit dem Wissen über die Fehler der Vergangenheit gelingt, das Wachstum ökologischer zu gestalten.

Ressourcen sparen, Produktionsmengen, Abfall sowie Umweltbelastungen reduzieren, aber trotzdem mehr verdienen – geht das? Ja, wenn wir weniger nach Eigentum streben, mehr teilen, mehr ausgeben und unsere Möglichkeiten erweitern. Eigentum galt früher als Wohlstandszeichen und stand für ein glückliches Leben. Doch schon Philosophen haben Glück und Zufriedenheit eher mit wenig Besitz in Verbindung gebracht.

Mein Fazit: Zukunft anders denken

Derzeit ist unser ökonomisches System nach dem Immer-weiter, Immer-schneller, Immer-höher, nach der Gewinnmaximierung um jeden Preis ausgerichtet. Selbst Ressourcenverknappung, hohe Energiepreise und Klimawandel dämmen dieses Streben nach Profitmaximierung nicht ein. Lieber werden neue Rohstoffquellen erschlossen, Menschen, in undemokratischen Verhältnissen zu schlechten Arbeitsbedingungen gezwungen und steigende Temperaturen und Hungersnot in Kauf genommen.

Dabei sollten wir doch alle – wie eingangs erwähnt – uns als „Gäste“ hier auf Erden benehmen und unseren Lebensraum schätzen bzw. pflegen.

Wie können wir das System verändern und die Profitgier stoppen?

Verbraucher und Unternehmen haben es in der Hand, die Veränderungen anzuschieben und das neue Gesetz (LkSG) in der Umsetzung für einen nachhaltigen Konsum zu befolgen.

Technologisch gesehen, gibt es viele Möglichkeiten, um Bereiche wie Energie, Transport, Landwirtschaft und Industrieproduktion in ihren Prozessen ökologisch zu optimieren.  Durch die weltweite Vernetzung wird es den schwarzen Schafen zunehmend schwerer fallen, ökologische Standards zu unterlaufen – sie werden von der Öffentlichkeit beobachtet. Während umweltverträgliche Unternehmen mit einem skalierbaren Geschäftsmodell in Zukunft die Gewinner sein werden.

Am Ende geht es darum, etwas zu aufzubauen, das unseren Planeten und unser Leben bewahrt.

Schauen Sie rein:  

www.chiefdigitalofficerkoeln.de

Nachhaltigkeit – Geschichte-Innovation-Wohlstand

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