
Künstliche Intelligenz (KI) ist längst Teil unseres Alltags. Sie ist Werkzeug, Beschleuniger und Möglichmacher und jederzeit „to go“, per Klick, per App, sofort zur Hand.
Sogar im Urlaub begleitet sie uns: Die Reservierung per Plattform, digitales Check-in, clevere Apps – alles mit wenigen Klicks, immer verbunden mit der Frage: „Möchten Sie noch etwas dazu buchen?“ Das, was früher Mitarbeitende mit viel Verkaufsgeschick übernommen haben, läuft heute suggestiv als Algorithmus im Hintergrund.
Die Erinnerung an die Reise bleibt jedoch menschlich analog: das Dorffest, die unerwartet schöne Wanderung auf Empfehlung des Hoteliers – vielleicht ergänzt durch eine App wie Komoot, die den Weg weist. Das Werkzeug ist bequem und gibt einigen die Sicherheit, die richtigen Pfade zu finden. Und genau das zeigt, worum es in der Transformation wirklich geht: Technik erleichtert den Weg, sie verschafft Orientierung und schafft Raum, damit Menschen ihre Energie auf das Wesentliche richten können.
Technik als Abkürzung – nicht als Ersatz
Es ist wie beim Wandern: Wer die Gondel nicht betritt, weiß nie, wie es sich anfühlt, den Gipfel zu erreichen. Natürlich kann man auch zu Fuß hinauf, aber es dauert länger, kostet mehr Kraft, und manchmal geht einem unterwegs die Puste aus. Technik bringt uns schneller ans Ziel. Doch die Gondel ersetzt nicht den Aufstieg. Genauso verhält es sich mit KI. Sie verkürzt den Weg von der Idee bis zur Wirkung drastisch. Aber sie nimmt uns nicht das Denken, Entscheiden und Führen ab.
Den letzten Schritt zum Gipfel müssen wir selbst gehen. Die eigene Erfahrung ist das Fundament, doch der Blick nach vorn entscheidet über den nächsten Aufstieg.
Weniger Lebenslauf, mehr Weitblick
Lebensläufe sind das Fundament. Sie zeigen Herkunft und gemeisterte Stationen von uns Menschen, sie lassen Spuren erkennen und schaffen Vertrauen. Je länger das berufliche Leben dauert, desto mehr wächst das Expertenwissen, das Menschen mitbringen. Doch KI wird klassische Expertenmonopole zunehmend auflösen, denn Wissen ist heute durch Chatbots in Sekunden weltweit verfügbar. Ihre volle Wirkung entfaltet sie jedoch nicht allein durch den Zugriff auf große Datenmengen, sondern erst im Zusammenspiel mit menschlicher Urteilskraft. Sie kann Datenfluten ordnen und Szenarien simulieren, doch Tiefe und Innovationskraft entstehen erst, wenn Menschen ihre Fähigkeiten einbringen:
- Systemisches Denken – Probleme im Kontext verstehen
- Ethik & Urteilskraft – Entscheidungen treffen, wenn es keine „richtige“ Antwort gibt
- Zwischenmenschliche Resonanz – Vertrauen schaffen, Konflikte lösen, den Horizont öffnen
- Risikoabwägung – Chancen nutzen, ohne die Kontrolle zu verlieren
Früher war es nur wenigen möglich, den K2 zu besteigen. Heute können es viele, weil sie Geodaten nutzen, auf Erfahrung aus aller Welt zugreifen und Technologie vertrauen. Doch wenn das Wetter kippt, rettet die eigene Einschätzung das Leben.
Orientierung in unsicheren Zeiten
In einer Welt voller Unsicherheit, verschobener Ordnungssysteme und wachsender geopolitischer Spannungen braucht es Aufsichtsräte und Führungskräfte, die Szenarien durchdenken, Strukturen widerstandsfähig machen und Orientierung geben. KI hilft dabei, weil sie Zugriff auf weltweite Quellen bietet, Daten miteinander vergleicht und Entwicklungen schneller einschätzbar macht. Der Unternehmenshorizont weitet sich, und mit dem Blick in die Ferne entstehen neue Möglichkeiten.
Im Unternehmen, im operativen Bereich geht es darum, eine offene Haltung zur digitalen Transformation und die Neugier der Mitarbeitenden zu fördern. Es werden durch die Transformation neue Positionen entstehen, Fleißaufgaben wegfallen, und lebenslanges Lernen wird zur Voraussetzung für die Anwendung von Wissen. Am Ende zählt das kluge Zusammenspiel von Menschen und Technik.
Mein Fazit
KI im Aufsichtsrat heißt nicht nur Technologien verstehen, sondern Führung neu denken.
Boards brauchen weniger Lebensläufe mit den „richtigen Stationen“ und mehr Menschen mit den richtigen Qualifikationen: vernetzt, mutig, entscheidungsstark, fähig zum Perspektivwechsel.
Wie man den Perspektivwechsel am besten nutzen kann, zeigen die Bilanzfluenzer https://www.instagram.com/bilanzfluencer/reels/, Nikolaj Schmolcke als Bilanzversteher, Oliver Köster, der Zahlenverdreher. Sie machen sichtbar, dass Finanzdaten mehr sind als nackte Zahlen. Sie zeigen, wie man Bilanzen auseinandernimmt, um die Story dahinter zu verstehen und, dass es möglich ist, mit Hilfe von Daten einen Rundumblick auf ein Unternehmen zu erhalten. KI wird diesen Blick noch weiter schärfen. Doch den Kontext zu sehen, die richtigen Schlüsse zu ziehen und Verantwortung zu übernehmen, bleibt Aufgabe von Menschen, gerade in Aufsichtsräten und Beiräten, wo Weichen für die Zukunft gestellt werden.
Denn am Ende gilt, dass KI gekommen ist, um zu bleiben, denn die meisten wollen nicht mehr auf sie verzichten. Die Frage ist nur: Sind wir selbst intelligent und mutig genug, KI über Prompts so herauszufordern, dass sie vom bloßen Werkzeug zum echten Sparringspartner wird?
👉 Welche Rolle spielt KI in Ihrem Board und welche wird sie in 5 Jahren spielen, wenn eine neue Generation in ihr Gremium einzieht?