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Plattformökonomie – das Spiel der großen Player

Netzwerke verbinden Menschen, KI findet Möglichkeiten und Plattformen entscheiden über Sichtbarkeit.

Wer mich kennt, weiß, dass ich neugierig durch die Welt gehe, gerne die Perspektive wechsele, Dinge in Frage stelle und digitale Tools ausprobiere. Ich habe früh programmiert, am Computer meine erste Schülerzeitung herausgebracht und nutze mit derselben Begeisterung die Plattform-Ökonomie und die Chatbots, beruflich wie privat für meine Suche.

Früher mussten wir uns durch endlose Profilseiten klicken und Zufall war ein fest eingeplanter Bestandteil der Suche. Heute gebe ich unsortiert die Beschreibung dessen ein, was ich suche und mit Hilfe von KI erhöhe ich die Trefferqualität. Meine Zeit verwende ich dafür, die Aussagekraft zu schärfen oder der KI klare Anweisungen zu geben bzw. das Ergebnis zu prüfen. Stundenlanges Scrollen gehört der Vergangenheit an.

Mich haben diese digitalen Plattformen angezogen und das Versprechen, mit wenigen Klicks Zugang zu einem scheinbar grenzenlosen Markt zu erhalten, zu einem Pool, der größer wirkt als jede Realität. Gleichzeitig habe ich die Mechanik der großen Player gesehen, ihre Stärken, ihre Grenzen. Ich wollte herauszufinden, durch wie viel Vertrauen diese Systeme wirklich getragen werden und ob Suche leichter wird, wenn das Matching nicht mehr vom Menschen kommt.

Ohne Masse kein Matching 

Viele kleine Plattformen funktionieren noch immer nach einem alten Prinzip: Ein paar Fragen, ein überschaubarer Datenpool, eine „Suchmaske“ und ein großes Versprechen. Viel Energie fließt in Aufmerksamkeit z.B. in Sozialen Medien, in Reichweite, in die Hoffnung, dass sich zwei Seiten finden.

Wer das Angebot in Anspruch nehmen will, muss zu Beginn einen hohen Preis dafür bezahlen, ohne zu wissen, ob je ein Matching zustande kommt. Denn ohne einen großen Kandidatenpool bleibt ein Treffer zufällig und sehr begrenzt. Manche Plattformbetreiber greifen am Ende zur teuren und zeitintensiven Handarbeit. Die Ernüchterung für die Kunden kommt meist nach dem der Vertrag abgeschlossen ist und plötzlich nichts mehr zusammenfindet. Bekannt aus Stellenportalen, die mit passgenauen Positionen werben, die nach Vertragsbeginn nicht mehr passen. Oder aus Partnerbörsen, in denen Bilder glänzen, während Tiefe fehlt, oder beim Coaching, wo kein Tandem mehr gefunden wird.

Plattformen organisieren Zugang – Algorithmen erkennen Verbindung

Sowohl bei kleinen als auch bei großen Plattformen mit großen Datenmengen begann früher die Suche mit einer Eingabemaske. Kriterien und die Eingabe der Informationen/Daten waren vorgegeben und wurden weiter verengt, präzisiert, bis die Trefferquote stimmte. Was dabei oft unbemerkt das Ergebnis beeinflusste, waren eigene Annahmen, fehlendes Wissen und vertraute Denkmuster, die man selbst nicht hinterfragte. Die Suche wurde immer genauer, aber der Suchradius nicht unbedingt größer.

Mit KI verändert sich das Prinzip. Suchtexte werden frei formuliert, nicht mehr übersetzt in Felder und Filter. Die Systeme lesen Kontext, verstehen Bedeutung, senden Suchfühler in verschiedene Richtungen aus und durchforsten große Datenräume gleichzeitig. Das öffnet Räume und löst die Suche von persönlichen Begrenzungen. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit. Wenige Global Player bestimmen Reichweite, verändern Spielregeln und verschieben die Logik des Marktes. Wer sichtbar wird, folgt nicht neutralen Regeln, sondern Geschäftsmodellen, und Algorithmen priorisieren, was bezahlt wird und was nicht. Viele Änderungen erfolgen leise, Versionen z.B. von ChatGPT wechseln, Ergebnisse verschieben sich, ohne dass der Suchende es merkt.

Dennoch bleibt der große Vorteil für den Nutzer, dass große Datenmengen zur Recherche zur Verfügung stehen und die KI bei der Suche hilft. Deshalb ringen kleine Plattformen um Sichtbarkeit, während große Player die Spielregeln neu definieren.

Für mich öffnet sich aber ein größerer Markt bei geringeren Kosten, mit mehr Beweglichkeit und besserer Sichtbarkeit, wohl wissend, dass Zugang allein noch keine Beziehung schafft und Ergebnisse immer eine menschliche Prüfung brauchen.

Mit Sichtbarkeit zum Matching

Bisher wurde auf C-Level nicht auf Börsen oder offenen Plattformen gesucht, sondern innerhalb von Netzwerken und geschlossenen Gruppen, und der Suchradius wurde bewusst eingegrenzt. Profile sind zurückhaltend formuliert, Bewegungen seltener sichtbar und eher wie ein Schaufenster, was man noch ergründen soll.

Dieser Markt verändert sich durch den Einsatz von KI grundlegend. Aus einem geschlossenen, begrenzten Raum wird ein „open to work“-Markt, der offen ist für Bewegung. Die Funktion klassischer Netzwerke übernimmt zunehmend die KI. Sie verknüpft Suchkriterien mit Daten, erkennt Zusammenhänge und durchforstet in kurzer Zeit große Datenräume.

Die Algorithmen verlassen sich bei der Suche nicht auf Annahmen, sondern auf das, was klar formuliert ist. Sichtbarkeit wird zur Voraussetzung und nicht mehr zur angenehmen Begleiterscheinung. Gefunden wird, wer sich als Marke lesbar macht, ohne sich erklären zu müssen.

Wer nicht sucht, gilt als angekommen, und wer keine Spur hinterlässt, wird von der KI freundlich als versorgt gelesen. Matching entsteht nicht aus Zufall, sondern aus der Lesbarkeit des eigenen Markenkerns und den bewusst gesetzten Suchkriterien. 

Ähnlich verhält es sich auf Unternehmensseite. Wer ausschließlich mit klassischen Jobbeschreibungen sucht, bleibt austauschbar und findet vor allem Standardprofile. Differenzierung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Offenheit und Flexibilität, und genau hier beginnt der Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb.

Mein Fazit

Für mich ist KI zu einem verlässlichen Begleiter geworden, im Privaten wie im Beruf. Sie unterstützt, ordnet, denkt mit und liefert Ergebnisse, ohne mich durch Pakete oder Versprechen zu lenken. Ich nutze sie bewusst, kenne ihre Möglichkeiten, prüfe Ergebnisse kritisch und setze sie dort ein, wo Wirkung entsteht. Alles andere fühlt sich für mich wie ein Modell aus einer anderen Zeit an.

Gerade auf Entscheider-Ebene, jenseits von Rollen und Etiketten, zeigt sich der eigentliche Wert. KI ersetzt keine persönliche Begegnung, aber sie bereitet sie vor, sortiert, klärt und öffnet Türen. Gefunden wird digital, entschieden bleibt menschlich.

Eine Frage habe ich noch an meine Community: Wer führt die Suche heute eigentlich, wir selbst, die Plattform oder die KI?

#Leadership #Strategie #Haltung #Transformation #Familienunternehmen #StrategischeKompetenz #Krisenkommunikation

Plattformökonomie – das Spiel der großen Player
Anne Fabritius:
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